Di

05

Aug

2014

EEG 2014: Wichtige Hinweise und Voraussetzungen zur Eigenstromerzeugung

Mit Inkrafttreten des novellierten Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG 2014) zum 1. August 2014 entfällt das bis dahin geltende Eigenstromprivileg, also die Befreiung von der EEG-Umlage für selbst erzeugte elektrische Energie.

 

Was nun auf alle Eigenstromerzeuger zukommt zeigt Energieblog Niedersachsen auf einen Blick.

Elektrische Energie selbst zu erzeugen und zu verbrauchen ist in vielen Fällen sehr wirt-schaftlich, denn bei entsprechender Höhe des Stromverbrauchs können die Kosten für Eigenstrom deutlich unter den Netzstrombezugskosten liegen. Zusätzlich können durch Eigenstromversorgungsanlagen Lastspitzen gesenkt und Verbrauchsprofile optimiert werden.

 

Mit Inkrafttreten des novellierten Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuer-bare-Energien-Gesetz – EEG 2014) zum 1. August 2014 entfällt das bis dahin geltende Eigenstromprivileg, also die Befreiung von der EEG-Umlage für selbst erzeugte elektrische Energie. Nach § 61 EEG 2014 muss ab 1. August 2014 bei der Eigenversorgung grund-sätzlich die volle EEG-Umlage gezahlt werden. Bei der Eigenversorgung aus neuen Erneuer-bare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) oder neuen hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-anlagen (KWK-Anlagen) muss eine verringerte EEG-Umlage entrichtet werden.

 

EE- und hocheffiziente KWK-Anlagen

Im Sinne des EEG 2014 ist eine EE-Anlage jede Einrichtung zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Grubengas. Als EE-Anlage gelten auch Einrichtungen, die zwischengespeicherte Energie, die ausschließlich aus erneuerbaren Energien oder Gruben-gas stammt, aufnehmen und in elektrische Energie umwandeln. Eine hocheffiziente KWK-Anlage ist eine Anlage im Sinne des § 53a Absatz 1 Satz 3 des Energiesteuergesetzes und weist einen Monats- oder Jahresnutzungsgrad von mindestens 70 Prozent auf.

 

In drei Stufen auf 40 Prozent EEG-Umlage für neue Eigenerzeugungsanlagen

Anders als z. B. fossile Eigenerzeugungsanlagen werden ab 1. August 2014 alle neuen EE- und KWK-Anlagen für die Eigenstromerzeugung nur mit einer anteiligen EEG-Abgabe belast-et. Die Belastung von Eigenstromerzeugung wird in drei Stufen vorgenommen:

 

Die Umlagehöhe wird für alle neuen EE- und KWK-Anlagen, die ab dem 1. August 2014 in Betrieb genommen werden, in drei Stufen auf 40 Prozent gesteigert.

EEG-Umlage Eigenstrom

Bis Ende 2015 werden 30 Prozent,

bis Ende 2016 35 Prozent

und ab 2017 40 Prozent der

jeweils gültigen EEG-Umlage

erhoben.

 

Die reduzierten Prozentsätze

gelten nur in diesen Jahren.

Anlagen, die in den Jahren 2014

bis Ende 2016 in Betrieb

genommen werden, müssen

dann ab 2017 auch die Umlage

in Höhe von 40 Prozent zahlen.

 

Stromkostenintensive Unternehmen zahlen 15 Prozent EEG-Umlage auf Eigenstrom

Unternehmen in der Besonderen Ausgleichsregel (§ 64 EEG 2014) zahlen für die Eigen-stromerzeugung nur den verringerten EEG-Umlagesatz in Höhe von 15 Prozent. Kann das Unternehmen den Cap oder Super-Cap in Anspruch nehmen, verringert sich die Höhe entsprechend. Es gilt die Mindestumlage von 0,1 bzw. 0,05 Cent/kWh für Unternehmen aus der Branche der NE-Metalle.

 

Konventionelle Eigenerzeugungsanlagen zahlen voll

Alle Anlagen, die nicht den Kriterien des EEG-2014 für EE- und hocheffiziente KWK-Anlagen entsprechen (siehe oben) zahlen die volle jeweils gültige EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch.

 

Bestandsanlagen und Anlagenerweiterungen

Vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommene Eigenerzeugungsanlagen bleiben von der EEG-Umlage befreit. Für Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen (Repowering) gelten ge-sonderte Regeln. Eine Anlage gilt auch dann als Bestandsanlage, wenn eine vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommene Anlage nach dem Stichtag erneuert, ersetzt oder um maximal 30 Prozent der bereits installierten Leistung erweitert wird.

 

Bestandsschutz für den Eigenverbrauch gilt jedoch nur dann, wenn die Anlage vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommen wurde und auch vor diesem Stichtag tatsächlich im Eigenverbrauchsbetrieb war. Nur Anlagen, die vor dem 1. August 2014 in Betrieb genom-men wurden, und vor diesem Stichtag auch tatsächlich Strom zum Eigenverbrauch erzeugt haben, sind von der EEG-Umlage befreit. Bisher in der Volleinspeisung betriebene Anlagen, die nach dem 1. August 2014 in den Eigenverbrauch wechseln und den Bestandsschutz in Anspruch nehmen wollen, müssen noch vor dem 1. August auf Eigenverbrauch umgestellt worden sein.

 

Wichtig: Bestandsanlagenbetreiber die ihre Anlage auch nach dem 1. August als Eigen-verbrauchsanlage betreiben wollen, sollten unbedingt durch geeignete Zähler- und Mess-stelleninstallationen nachweisen können, dass die Anlage bereits vor dem 1. August im Eigenverbrauchsbetrieb war.

 

Weitere Voraussetzungen und Ausschlüsse für den Eigenverbrauchsbetrieb

  • Ab dem 1. August 2014 muss grundsätzlich eine Personenidentität zwischen Anlagenbetreiber und Verbraucher bestehen. Personenidentität kann neben klassischen Eigentumsverhältnissen auch durch ein Anlagenpachtmodell sichergestellt werden.
  • Anlagen müssen im räumlichen Zusammenhang betrieben werden. Wird beispielsweise ein durch eine öffentliche Straße getrenntes Nachbargebäude mit Eigenstrom versorgt, entfällt die Umlagebefreiung.
  • Strom aus einer Eigenerzeugungsanlage darf nicht durch ein öffentliches Netz geleitet werden.
  • Muss für eine Eigenerzeugungsanlage EEG-Umlage bezahlt werden, ist der Betreiber der Anlage verpflichtet, den Eigenverbrauch durch geeichte Messeinrichtungen zu erfassen.
  • Eigenversorger müssen unverzüglich ihre eigenverbrauchte Energiemenge elektronisch an die Übertragungsnetzbetreiber mitteilen und bis zum 31. Mai die Endabrechnung für das Vorjahr vorlegen.

 

Wird einer der Punkte nicht beachtet, muss für KWK- und erneuerbare Energien die volle EEG-Umlage bezahlt werden.

 

Nachweis des Eigenstromverbrauchs

Bei der Berechnung der selbst erzeugten und verbrauchten Strommengen darf Strom nur bis zu der Höhe des aggregierten Eigenverbrauchs, bezogen auf jedes 15-Minuten-Intervall (Zeitgleichheit), berücksichtigt werden. Eine Messung der Ist-Einspeisung ist nur erforder-lich, wenn nicht schon technisch sichergestellt ist, dass Erzeugung und Verbrauch des Stroms zeitgleich erfolgen. Andere Bestimmungen, die eine Messung der Ist-Einspeisung verlangen, bleiben unberührt.

 

Ausnahmen von der EEG-Umlagepflicht

Die Zahlung der EEG-Umlage für Eigenstrom entfällt:

  • soweit der Strom in den Neben- und Hilfsanlagen einer Stromerzeugungsanlage zur Erzeugung von Strom im technischen Sinne verbraucht wird (Kraftwerkseigenver-brauch) oder,
  • wenn der Eigenversorger weder unmittelbar noch mittelbar an ein Netz angeschlos-sen ist (Inselbetrieb) oder,
  • wenn sich der Eigenversorger selbst vollständig mit Strom aus erneuerbaren Ener-gien versorgt (Grünstromliefervertrag) und für den Strom aus seiner Anlage, den er nicht selbst verbraucht, keine finanzielle Förderung (Einspeisevergütung) nach EEG in Anspruch nimmt, oder
  • wenn Strom aus Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 10 Kilowatt erzeugt wird, für höchstens 10 Megawattstunden selbst verbrauchten Stroms pro Kalenderjahr; dies gilt ab der Inbetriebnahme der Stromer-zeugungsanlage für die Dauer von 20 Kalenderjahren zuzüglich des Inbetriebnahme-jahres.

Kein Grünstromprivileg mehr für Stromliefermodelle bei Neu- und Bestandsanlagen

Stromliefermodelle wie die direkte Belieferung unmittelbar in räumlicher Nähe befindlicher Stromabnehmer mit EE-Strom (Grünstromprivileg) werden künftig mit der vollen EEG-Umlage belastet. Das Grünstromprivileg wird auch für Bestandsanlagen und darauf basie-rende Liefermodelle abgeschafft. In den Übergangsbestimmungen des EEG ist keine Regel-ung enthalten, nach der das Grünstromprivileg für Bestandsanlagen mit einem Inbetrieb-nahmedatum vor dem 1. August 2014 erhalten bleibt. Das heißt: Geschäftsmodelle, die auf dem Grünstromprivileg beruhen, werden ab dem 1. August 2014 mit der 100 Prozent EEG-Umlage belastet.

 

Anhebung der KWK-Vergütung geplant

Um die Wirtschaftlichkeit von neuen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen weiterhin zu gewähr-leisten, wird mit der EEG-Novelle eine Verordnungsermächtigung mit ins Kraft-Kopplungs-gesetz (KWKG) aufgenommen, die die Bundesregierung in die Lage versetzt, die Belas-tungen der Eigenversorgung durch die EEG-Umlage mittels einer Anhebung der entsprech-enden Fördersätze für die betroffenen Anlagen im KWKG auszugleichen.

Weitere Informationen und Downloads

 

Meldungen der Energieblogger:

 

Sunny.Der SMA Coorporate Blog:

Video: Energieblogger auf der Intersolar, Apell an Gabriel

 

Windwärts Blog:

Was brauchen wir für eine erfolgreiche Energiewende? Nachgefragt bei Prof. Dr. Claudia Kemfert

Was läuft schief bei der Energiewende? Nachgefragt bei Hans-Josef Fell

 

Photovoltaikforum.com:

Eigenverbrauch größter Anreiz zum Kauf einer Photovoltaikanlage

 

energie-experten.org:

Die 5 wichtigsten Argumente GEGEN die SONNENSTEUER

 

www.energynet.de:

Gestehungskostenrechner bringt Transparenz bei Eigenverbrauch von Solarstrom

Kommt nach der Sonnensteuer die Effizienzsteuer?

 

blog.stromhaltig.de:

Eigenstrom– Minimierung des wirtschaftlichen Risikos für KMUs

Sonnenstrom, Eigenstrom-Umlage – was nun?

Doppelte Sonnensteuer als Speichersteuer

 

www.oekoenergie-blog.at:

Die Sonnensteuer – An Ignoranz nicht zu überbieten

 

blog.metropolsolar.de

Bündnis gegen den “Sonnensteuer-Amoklauf”

 

blog.milkthesun.com:

Wer muss die Sonnensteuer zahlen?

 

Der Sonnenflüsterer (Renz):

Drama Sonnensteuer

Wo soll das Geld von der Sonnensteuer eingesetzt werden?

Sonnensteuer, aber natürlich!

 

energiezukunft.eu:

Solarsteuer senkt Stromkosten nicht

 

klein-windkraftanlagen.com:

Was das EEG 2014 für Kleinwindkraftanlagen bedeutet

 

Sonstiges:

 

www.solarthemen.de:

EEG-Umlage ist keine “Sonnensteuer”

 

Offizielles:

 

Nicht-amtliche Lesefassung des EEG in der ab 1. August 2014 geltenden Fassung

Informationen des BMWi zur EEG-Reform

Häufig gestellte Fragen und Antworten des BMWi zur EEG-Reform

Definition hocheffiziente KWK-Anlage - § 53a Energiesteuergesetz(EnergieStG)

 

rae, 2014

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Kommentare: 2
  • #1

    Christian (Freitag, 08 August 2014 10:28)

    Hallo,
    eine sehr schöne Zusammenfassung. Könnten Sie bitte noch kurz erläutern aus welchen Textstellen im EEG sich die Personenidentität ableitet? Es erschliesst sich mir nicht direkt aus §61.
    Danke
    Christian

  • #2

    Andreas (Freitag, 08 August 2014 13:12)

    Die Personenidentität ergibt sich aus §5 (Begriffsbestimmungen) Absatz 12:

    "Eigenversorgung“ ist der Verbrauch von Strom, den eine natürliche oder juristische Person im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit der Stromerzeugungsanlage selbst verbraucht, wenn der Strom nicht durch ein Netz durchgeleitet wird und diese Person die Stromerzeugungsanlage
    selbst betreibt

    LG Andreas

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