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01

Aug

2014

EEG 2.0 in Kraft. Alle neuen Regelungen auf einen Blick

Am 1.August treten mit dem reformierten EEG umfangreiche Änderungen hinsichtlich der Förderung erneuerbarer Energien, beim Eigenstrom und bei der besonderen Ausgleichsregel für stromintensive Unternehmen in Kraft.

 

Ziel des neuen EEG ist es, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen und dabei gleichzeitig „die Bezahlbarkeit der Energiewende für die Bürger sowie die Wirtschaft sicherzustellen und die Belastungen für das Gesamtsystem zu begrenzen“.

Das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat im Juli den Bundesrat passiert. Zudem konnte die Bundesregierung eine Einigung mit Brüssel über strittige Punkte erzielen, so dass die Genehmigung durch die EU-Kommission ebenfalls erfolgte. Das neue EEG tritt daher zum 1.August.2014 in Kraft.

 

Ziele der EEG Novelle

Bei der EEG-Reform verfolgt die Bundesregierung in erster Linie das Ziel den Ausbau erneuerbarer Energien zu steuern, die Kosten für den weiteren Ausbau zu senken und besser zu verteilen sowie die erneuerbaren Energien weiter an den Markt heranzuführen. Die Wettbewerbsfähigkeit der stromintensiven Industrie soll dabei nicht gefährdet werden. Hierzu hat die Bundesregierung wesentliche Eckpunkte formuliert.

 

Die wesentlichen Eckpunkte des novellierten EEG

  • Festlegung eines Ausbaukorridors für erneuerbare Energien
  • Absenkung der Einspeisevergütung
  • Integration der Erneuerbaren Energien in den Strommarkt
  • Ausschreibungen der Förderhöhe für Ökostrom
  • Anpassung der besonderen Ausgleichsregelung
  • Beteiligung des Eigenverbrauchs an EEG-Umlage
  • Einbettung der Energiewende in europäischen Kontext

 

Ausbaukorridore für erneuerbare Energien

Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll sich künftig auf die kostengünstigsten Technologien konzentrieren. Bis 2025 soll der Anteil der erneuerbaren Energien zwischen 40 und 45 Prozent und bis 2035 zwischen 55 und 60 Prozent betragen.

 

Geplanter Ausbau, Vergütung, Degression:

 

Wind Onshore

  • Jährlicher Ausbaukorridor von 2,4 – 2,6 GW netto (d. h. beim Repowering nach Abzug der Leistung gleichzeitig stillgelegter Windenergieanlagen),
  • Einführung des atmenden Deckels, d. h. bei Über/Unterschreitungen des Zubaukorridors erfolgen vorab festgelegte Anpassungen der Vergütungssätze,
  • regelmäßige Degression des gesetzlichen Vergütungssatzes („anzulegender Wert“); ab 2016 vierteljährliche Absenkung um 0,4%,
  • Systemdienstleistungs- und Repoweringbonus entfallen bei Neuanlagen,
  • Reduzierte Stromvergütungen insbesondere an windreichen Standorten,
  • Regelungen zum Referenzertrag akualisiert.

Wind Offshore

  • Ausbauzielverminderung auf 6,5 GW bis 2020 (alt: 10 GW) und 15 GW bis 2030,
  • erhöhte Anfangsvergütung 15,4 ct/kWh (für 12 Jahre ggf. plus Verlängerung),
  • Stauchungsmodell 19,4 ct/kWh (Inanspruchnahme auf bis 12/2019 in Betrieb gegangene neue Anlagen verlängert).

Solar

  • Reduzierter jährlicher Ausbaukorridor auf 2,4 - 2,6 GW (alt: 2,5 – 3,5 GW) unter Beibehaltung des atmenden Deckels,
  • Vergütungssatz („anzulegender Wert“) startet bei 9,23 – 13,15 ct/kW,
  • Förderauslauf bei Erreichen der Obergrenze 52 GW (Altregelung) bestätigt.

Biomasse

  • Zubaukorridor 100 MW p. a. (brutto) mit atmendem Deckel,
  • Viertelj. Degression ab 2016 von 0,5%,
  • Verminderte Stromvergütungssätze.

Geothermie/Wasserkraft

  • Keine Maßnahmen zur Zubaulimitierung,
  • Wasserkraft: Fördersätze sinken mit jährl. Degression von 0,5% ab 2016,
  • Geothermie: Fördersätze sinken mit jährl. Degression von 5% ab 2018.

 

Absenkung der Einspeisevergütung

Um die Kosten für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zu senken, konzentriert sich das neue EEG auf günstige Technologien wie Windenergie und Photovoltaik. Die Bundesregierung hat ermittelt, dass die durchschnittliche Vergütung für erneuerbare Energien derzeit ca. 17 Cent pro Kilowattstunde (kWh) beträgt. Ab 2015 sollen Betreiber neuer Anlagen im Schnitt nur noch ca. 12 Cent/kWh erhalten.

 

Ab 01.08.2014 können die gesetzlich fixierte Einspeisevergütung abschlagsfrei nur noch Neuanlagen mit einer Nennleistung bis 500 kW und ab 01.10.2016 Neuanlagen bis 100 kW in Anspruch nehmen. Ansonsten kann die festgeschriebene  Einspeisevergütung nur mit Abschlägen in Anspruch (z. B. bei Ausfall des Direktvermarkters) genommen werden. Hier erhält der Betreiber eine Einspeisevergütung von 80% des gesetzlichen Fördersatzes. Diese Ausnahmenregelung zielt darauf ab, die Investitions- und Planungssicherheit für Neuprojekte zu sichern.

 

Integration der Erneuerbaren Energien in den Strommarkt

Anlagenbetreiber von Neuanlagen werden künftig verpflichtet, den von ihnen erzeugten Strom direkt zu vermarkten. Die Pflicht zur Direktvermarktung wird stufenweise eingeführt und richtet sich nach der Anlagengröße:

  • Ab 1. August 2014: alle Neuanlagen ab einer Leistung von 500 kW
  • Ab 1. Januar 2016: alle Neuanlagen ab einer Leistung von 100 kW

Um die regenerative Stromerzeugung stärker in die Marktgegebenheiten einzubinden, erfolgt ab 01.08.2014 ein Übergang von den gesetzlich festgeschriebenen Vergütungssätzen hin zur verpflichtenden Direktvermarktung des eigenerzeugten Stroms (vorher optional). Zukünftig müssen die Betreiber von EEG-Anlagen den erzeugten Strom grundsätzlich entweder selbst oder über einen Dienstleister direkt vermarkten, um eine Förderung zu erhalten. Bei Bestandsanlagen verändern sich die Altregelungen nicht.

 

Künftig ist (wie bislang bereits bei der optionalen Direktvermarktung) der aus der Vermarktung erzielte Preis für den erzeugten Strom zentraler Bestandteil der Einnahme. Zusätzlich wird eine Förderung in Form der gleitenden Marktprämie geleistet, die als Aufschlag auf den durchschnittlichen Börsenpreis gezahlt wird. Voraussetzung zum Erhalt der Marktprämie ist die Fernsteuerbarkeit auch bei Bestandsanlagen ab 01.04.2015. Die bisherige Managementprämie entfällt.

 

Die Marktprämie besteht aus dem gesetzlich festgeschriebenen Stromvergütungssatz („anzulegender Wert“) abzüglich des Monatsmarktwertes (tatsächlicher Monatsmittelwert der Stundenkontrakte am Spotmarkt). Damit liegt kein fixer Kalkulationsbetrag für den erzeugten Strom mehr vor. Allerdings besteht die Chance auf einen höheren Erlös als dem gesetzlich festgeschriebenen Vergütungssatz: Gelingt es, den Strom so anzubieten, dass der Erlös über dem durchschnittlichen Börsenpreis liegt, wird ein Zusatzerlös (über den „anzulegenden Wert hinaus) erzielt. Ziel ist, dass möglichst hohe Mengen regenerativ erzeugten Stroms möglichst marktnah (nachfragebezogen) erzeugt bzw. angeboten werden.

 

Negative Börsenpreise

Liegen die Börsenstrompreise an der EPEX Spot länger als an sechs aufeinander folgenden Stunden im negativen Bereich, bekommen Betreiber von EEG-Anlagen keine Stromvergütung. Ausnahmen sind kleine Anlagen und Anlagen, die vor dem 01.01.2016 in Betrieb genommen sein werden.

 

Ausschreibungen der Förderhöhe für Ökostrom

In Zukunft soll die Förderung von erneuerbaren Energien ausgeschrieben werden. In einem ersten Schritt soll die Förderhöhe für Strom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen wettbewerblich über Ausschreibungen ermittelt werden. Hierzu hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Eckpunkte zur Pilotausschreibung der Förderung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen öffentlich zur Konsultation gestellt. (Internetlink weiter unten)

 

Spätestens ab 2017 wird das Ausschreibungsverfahren als stärker markt- und wettbewerbsorientiertes Element verpflichtend. Ab 2015 sind für PV-Freiflächenanlagen erste Ausschreibungsrunden geplant. Aufbauend auf den dabei gemachten Erfahrungen soll das Verfahren ab 2017 auf alle Technologien übertragen werden und dies in einer neuen EEG-Novelle geregelt werden. Min. 5% der Leistung soll dabei europaweit ausgeschrieben werden.

 

Anpassung der besonderen Ausgleichsregelung

Die sogenannte "besondere Ausgleichsregelung", durch die stromintensive Unternehmen nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen, wurde überarbeitet und an geltendes EU-Recht angepasst. Künftig gilt die Ausnahmeregelung nur für stromintensive Unternehmen aus Branchen, die durch ein bestimmtes Maß an Strom- und Handelsintensität gekennzeichnet sind. Hierdurch wird die Ausnahmeregelung auf Unternehmen und Branchen beschränkt, die in einem harten internationalen Wettbewerb stehen. Die begünstigten Unternehmen zahlen für die erste Gigawattstunde die EEG-Umlage in voller Höhe und für den darüber hinaus von ihnen verbrauchten Strom grundsätzlich 15 Prozent der EEG-Umlage.

 

Dabei besteht ein zusätzliches Limit von 4% bzw. 0,5% (besonders deklarierte Branchen) der Bruttowertschöpfung des Unternehmens. Übergeordnet müssen aber min. 0,1 ct./kWh für den begünstigten Stromanteil gezahlt werden. Bei Unternehmen, die nach den Altregelungen privilegiert waren, darf sich der je kWh zu zahlende EEG-Umlagebetrag in den Jahren 2015 - 2018 jährlich höchstens verdoppeln. Entfällt die bisherige Privilegierung gemäß aktualisierter EEGRahmenbedingungen, zahlen die betroffenen Unternehmen zunächst 20% der EEG-Umlage, wobei sich dieser Anteil ab 2018 jährlich bis auf 100% verdoppelt.

 

Beteiligung des Eigenverbrauchs an EEG-Umlage

Bei der Eigenstromversorgung sollen künftig alle einen Beitrag zu den Ausbaukosten für die erneuerbaren Energien leisten. Für Strom aus neuen Erneuerbare-Energien-Anlagen oder neuen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, der in unmittelbarer räumlicher Nähe zu der Stromerzeugungsanlage genutzt wird, muss eine auf 40 Prozent reduzierte EEG-Umlage gezahlt werden.

 

Bis Ende 2015 werden 30 Prozent, bis Ende 2016 35 Prozent und ab 2017 40 Prozent der jeweils gültigen EEG-Umlage erhoben. Die reduzierten Prozentsätze gelten nur in diesen Jahren. Anlagen, die in den Jahren 2014 bis Ende 2016 in Betrieb genommen werden, müssen dann ab 2017 auch die Umlage in Höhe von 40 Prozent zahlen. Für Strom aus konventionellen Anlagen fällt hingegen die volle Umlage an.

 

Vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommene Eigenerzeugungsanlagen bleiben von der EEG-Umlage befreit. Für Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen (Repowering) gelten ge-sonderte Regeln. Eine Anlage gilt auch dann als Bestandsanlage, wenn eine vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommene Anlage nach dem Stichtag erneuert, ersetzt oder um maximal 30 Prozent der bereits installierten Leistung erweitert wird.

 

Bestandsschutz für den Eigenverbrauch gilt jedoch nur dann, wenn die Anlage vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommen wurde und auch vor diesem Stichtag tatsächlich im Eigenverbrauchsbetrieb war. Nur Anlagen, die vor dem 1. August 2014 in Betrieb genom-men wurden, und vor diesem Stichtag auch tatsächlich Strom zum Eigenverbrauch erzeugt haben, sind von der EEG-Umlage befreit. Bisher in der Volleinspeisung betriebene Anlagen, die nach dem 1. August 2014 in den Eigenverbrauch wechseln und den Bestandsschutz in Anspruch nehmen wollen, müssen noch vor dem 1. August auf Eigenverbrauch umgestellt worden sein.

 

Die Zahlung der EEG-Umlage für Eigenstrom entfällt:

  • soweit der Strom in den Neben- und Hilfsanlagen einer Stromerzeugungsanlage zur Erzeugung von Strom im technischen Sinne verbraucht wird (Kraftwerkseigenver-brauch) oder,
  • wenn der Eigenversorger weder unmittelbar noch mittelbar an ein Netz angeschlos-sen ist (Inselbetrieb) oder,
  • wenn sich der Eigenversorger selbst vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt (Grünstromliefervertrag) und für den Strom aus seiner Anlage, den er nicht selbst verbraucht, keine finanzielle Förderung (Einspeisevergütung) nach EEG in Anspruch nimmt,
  • oder wenn Strom aus Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 10 Kilowatt erzeugt wird, für höchstens 10 Megawattstunden selbst verbrauchten Stroms pro Kalenderjahr; dies gilt ab der Inbetriebnahme der Stromer-zeugungsanlage für die Dauer von 20 Kalenderjahren zuzüglich des Inbetriebnahmejahres.

Unternehmen in der Besonderen Ausgleichsregel (§ 64 EEG 2014) zahlen für die Eigen-stromerzeugung nur den verringerten EEG-Umlagesatz in Höhe von 15 Prozent. Kann das Unternehmen den Cap oder Super-Cap in Anspruch nehmen, verringert sich die Höhe entsprechend. Es gilt die Mindestumlage von 0,1 bzw. 0,05 Cent/kWh für Unternehmen aus der Branche der NE-Metalle.

 

Einbettung der Energiewende in europäischen Kontext

Zeitgleich zum parlamentarischen Verfahren wurde der EEG-Entwurf zur Prüfung der Vereinbarkeit mit dem EU-Beihilferecht bei der EU-Kommission vorgelegt. Die Bundesregierung einigte sich im Juli mit der EU-Kommission in allen Punkten, so dass das EEG am 1. August 2014 in Kraft treten kann.

 

Weiterführende Informationen und Download

 

Nicht-amtliche Lesefassung des EEG in der ab 1. August 2014 geltenden Fassung

Informationen des BMWi zur EEG-Reform

Häufig gestellte Fragen und Antworten des BMWi zur EEG-Reform

Konsultation der Eckpunkte für eine Pilotausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Zentrale Vorhaben Energiewende für die 18. Legislaturperiode (10-Punkte-Energie-Agenda des BMWi)

 

rae, 2014

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Kommentare: 5
  • #1

    Uwe F (Dienstag, 05 August 2014 19:09)

    Also für den Laien sind die ganzen neuen EEG Reglungen nicht zu verstehen, wie gut das Sie hier etwas Licht ins Dunkel gebraucht haben.

    hatte zuvor keine so Umfangreichen Information zur EEG Reglung gefunden, Dankeschön dafür.
    Uwe F

  • #2

    Karla (Mittwoch, 23 Dezember 2015 18:28)

    Muss dem zustimmen, viele Anbieter werben damit bei Ihren Tarifen im Internet aber so richtig wusste ich nie, was denn überhaupt damit gemeint ist. Jetzt schon, Danke!!

  • #3

    Frank (Montag, 25 Januar 2016 20:54)

    Für jemanden der sich mit dem Thema intensiv beschäftigt sind das sicherlich sehr interessante Infos die hier veröffentlicht werden. Für den "normalen" Stromabnehmer dürfte das bis auf den Punkt "Absenkung der Einspeisevergütung" aber kaum von Interesse sein. Dafür ist die Thematik zu komplex.

    Gruß

  • #4

    Andreas (Dienstag, 26 Januar 2016 19:38)

    Datum des Artikels: 1.8.2014.

    Ist doch längst überholt.
    Trotzdem Danke, Frank.
    Andreas

  • #5

    Stromanbieter Check (Freitag, 04 März 2016 15:45)

    Toller Artikel!
    Wirklich sehr informativ! Besten Dank!

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