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26

Feb

2014

Strompreis 2014: Strom so billig wie noch nie – wie sich die Stromkosten 2014 wirklich zusammensetzen

Ab 2014 steigt der Strompreis für Verbraucher auf durchschnittlich ca. 30 Cent pro Kilowattstunde. Das ist der höchste Strompreis aller Zeiten. Kostentreiber soll der Ausbau erneuerbarer Energien sein, der mit der Erneuerbare–Energien–Umlage (EEG-Umlage), auch Ökostromumlage genannt, ab 2014 von 5,277 Ct/kWh auf 6,24 Ct/kWh ansteigt. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die direkte Förderung erneuerbarer Energien macht nur etwa die Hälfte der EEG-Umlage aus. Zusätzlich bilden alle weiteren, staatlichen Aufschläge auf den Strompreis den Löwenanteil der Strombezugskosten für Verbraucher.

Die Strompreise in Deutschland sind abhängig vom Standort, vom Anbieter, vom Stromtarif und vom Verbrauch. Obwohl der Börsenstrompreis seit Jahren stetig sinkt, sind die Bezugskosten für Strom so hoch wie noch nie. Schuld an den immer weiter steigenden Strompreisen sind die staatlichen Aufschläge auf den Strompreis der sich aus den drei Hauptbestandteilen Erzeugung, Beschaffung und Lieferung, der Netznutzung sowie den staatlichen Abgaben, Umlagen und Steuern zusammensetzt.

 

Staatliche Aufschläge: Netznutzungsentgelte, Abgaben, Umlagen und Steuern

Ab 2014 besteht der Strompreis neben dem eigentlichen Preis für Erzeugung und Vertrieb aus folgenden zusätzlichen Aufschlägen:

 

  • Kosten für die Netznutzung, das Netznutzungsentgelt

Es wird gesetzlich reguliert und von den Netzbetreibern für die Durchleitung von Strom durch ihre Netze erhoben. Es enthält unter anderem die Kosten für den Aufbau, den Betrieb und die Instandhaltung von Stromnetzen.

  • Konzessionsabgabe

Die Konzessionsabgabe wird an Gemeinden für die Einräumung von Wegerechten für z.B. Bau und Betrieb von Stromleitungen gezahlt.

  • Stromsteuer

Seit 1999 ursprünglich zur Förderung klimapolitischer Ziele eingeführt, fließen die Einnahmen fast ausschließlich in die Rentenversicherung.

  • KWK-Umlage

Diese Umlage existiert seit dem Jahr 2000 und deckt die Kosten zur Förderung der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung.

  • EEG-Umlage

Die Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien. Ökostrom wird den Produzenten zu den gesetzlich festgeschriebenen Preisen abgenommen. Diese liegen über den Marktpreisen. Die Differenz wird als EEG-Umlage auf den Strompreis geschlagen.

  • §19 Umlage

Seit 2012  wird die Umlage nach §19 Abs. 2 Stromnetzentgeltverordnung  als sogenannte Sonderkunden-Umlage erhoben. Sie soll den Netzbetreibern entgangene Erlöse die teilweise Befreiung der Großindustrie vom Netznutzungsentgelt vergüten.

  • Offshore-Haftungsumlage

Seit Januar 2013 wird mit ihr ein Großteil von Schadensersatzkosten, durch Verzögerungen oder Ausfälle bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks absichert.

  • Neu: Umlage für abschaltbare Lasten nach §18 AbLaV

Ab dem 01.01.2014 wird, sollen große Stromverbraucher bei "Blackout-Gefahr" ihre Last vorübergehend abschalten können. Dafür wird ihnen eine Entschädigung von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) gezahlt.

  • Umsatzsteuer

19% vom Nettostrompreis (Mehrwertsteuer)

 

Was kostet eine Kilowattstunde Strom ab 2014?

Die nachfolgende Tabelle zeigt im Vergleich die einzelnen Strompreisaufschläge auf den Strompreis für 2013 und 2014 im bundesdurchschnitt. Der hannoversche Stromanbieter enercity zum Beispiel berechnete in 2013 27,62 Ct/kWh brutto zzgl. des Grundpreises für die Zähleinrichtung von 65 € im Jahr.  Das entspricht einem Strompreis für einen Vier-Personen-Haushalt mit ca. 4500 kWh im Jahr von etwa 27,6 Ct/kWh. enercity hat bereits Strompreissteigerungen ab 2014 von knapp 3,5 Ct/kWh angekündigt. Somit liegt der Grundversorgungspreis von enercity ab 2014 bei ca. 28,6 Ct/kWh. Also etwa einen Cent höher.

 

Netznutzungsentgelte zählen zum Strompreis, weil dieser auch transportiert werden muss. In der Beispielrechnung sind durchschnittliche Netznutzungsentgelte nach Daten des Bundesverbandes der deutschen Energiewirtschaft (BDEW) angegeben, da sich die Höhe des Netznutzungsentgelts aus der Dauer und der Höhe einer individuellen Stromabnahme ergibt. So belastet beispielsweise ein Heizlüfter mit einer Leistung von zwei Kilowatt (kW), der ein Jahr lang (8760 Betriebsstunden) stetig läuft, das Netz deutlich anders als ein Schmelzofen, der innerhalb einer Stunde eine Leistung von 17.520 kW verbraucht, obwohl beide Verbraucher dem Netz die gleiche Arbeit entnehmen (2 kW * 8760 h = 17.520 kWh = 17.520 kW * 1 h).

 

Während für den ersten Verbraucher jedoch nur Leitungen und andere Betriebsmittel mit einer Kapazität von 2 kW erforderlich sind, benötigt der zweite Verbraucher eine Leitungskapazität von 17.520 kW. Das Netzentgelt enthält deshalb eine Komponente für die maximale entnommene Leistung (kW) sowie für die Arbeit (kWh) die jeweils von Verbraucher zu Verbraucher unterschiedlich sind. Die Netznutzungsentgelte variieren zusätzlich von Bundesland zu Bundesland. Der BDEW beziffert die durchschnittlichen Netznutzungsentgelte für Haushalte 2013 mit etwa 6,5 ct/kWh.

 

Zusammensetzung des Strompreises für Haushaltskunden in der Grundversorgung (Vierpersonenhaushalt)

Quelle: eigene Darstellung
Quelle: eigene Darstellung

Staatliche Aufschläge machen 2014 fast 52 % des Strompreises aus!

Quelle: eigene Darstellung
Quelle: eigene Darstellung

Vergleich der Strompreisaufschläge 2013 und 2014

Quelle: eigene Darstellung
Quelle: eigene Darstellung

Entwicklung der Strompreise für Haushalte in der Grundversorgung seit 1998*

Quelle: BDEW, eigene Erhebungen, eigene Darstellung *Die Netznutzungsentgelte werden erst seit 2006 separat berechnet.
Quelle: BDEW, eigene Erhebungen, eigene Darstellung *Die Netznutzungsentgelte werden erst seit 2006 separat berechnet.

Obwohl der Preis für Erzeugung und Vertrieb des Stroms seit 2009 stetig sinkt, steigt der Strompreis aufgrund der immer höheren staatlichen Aufschläge unaufhörlich an. Den größten Anteil nehmen hier die Netznutzungsentgelte, die Umsatzsteuer und die EEG-Umlage ein. Für 2014 ist zusätzlich noch ein Anstieg der Offshore-Haftungsumlage zu erwarten.

 

Förderung Erneuerbare Energien nicht alleiniger Preistreiber der EEG-Umlage

Durch die direkte Förderung von Erneuerbare-Energien-Anlagen durch z.B. die Einspeisevergütung werden alle Bürger in Deutschland mit einer EEG-Umlage auf den Strompreis belastet. Die EEG-Umlage besteht jedoch nur zu ca. 50% aus den direkten Förderungen der erneuerbaren Energien.

 

Wer zum Beispiel mit einer Windkraft-, Biogas- oder Photovoltaikanlage selbst erzeugten Strom in das öffentliche Stromnetz einspeist erhält eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung.  Diese Kosten sollen mit der EEG-Umlage auf alle Stromabnehmer verteilt werden. Zusätzlich werden jedoch auch noch andere Kosten in die EEG-Umlage eingerechnet.

 

Im direkten Verhältnis zur Stromeinspeisung steht der Merit-Order-Effekt. Strom wird an der Leipziger Strombörse EEX gehandelt. Bei konventioneller Stromerzeugung bedeutete der Merit-Order-Effekt, dass bei Strombedarf immer zuerst die günstigsten Kraftwerke an das Stromnetz geschaltet werden und somit der Strompreis durch die Erzeugungskosten bei steigender Nachfrage durch das Zuschalten teurerer Kraftwerke stieg. Heute funktioniert das ganz anders: Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen hat absoluten Einspeisevorrang. An Tagen mit viel Wind und perfekter Sonneneinstrahlung drängt also der Ökostrom an die Strombörsen und verursacht ein totales Überangebot. Das führt soweit, dass diese Anlagen abgeschaltet werden müssen, aber den Betreibern weiterhin der entgangene Gewinn ausgezahlt wird. Das treibt die Kosten für die Netzbetreiber nach oben, die den erzeugten Strom abnehmen müssen. Diese Zusatzkosten werden wiederum in die EEG-Umlage gerechnet.

 

Durch das Überangebot von Strom sinkt der Börsenpreis für Strom in 2013 bis auf 3,5 Ct/kWh. Gewinn und Risiko der einkaufenden Versorger, die EEG-Kosten und die Netzentgelte treiben dann den Strompreis auf etwa 14,5 Ct/kWh ohne staatliche Aufschläge. So ist der Merit-Order-Effekt heute auf den Rückgang des Börsenstrompreises zurückzuführen.

 

Weiter ist in der EEG-Umlage eine Liquiditätsreserve enthalten. Sie soll die nicht kalkulierten EEG-Kosten, nicht zu verwechseln mit nicht vorhersehbaren kosten, abdecken. Wird mehr Einspeisevergütung als geplant gezahlt, soll dieser Topf die Differenz abdecken.

 

Mit Einführung der so genannten Marktprämie zum 1.1.2012 wollte der Gesetzgeber die Marktintegration der Erneuerbaren Energien im Strombereich fördern. Anlagenbetreiber, die vom bisherigen EEG-Vergütungsmodell in die Direktvermarktung ihres Stroms an der Strombörse wechseln, erhalten dafür eine Prämie.

 

Industrieförderung: Die besondere Ausgleichsregelung des EEG sorgt dafür, dass stromintensive Unternehmen bei ihren Stromkosten entlastet werden. Die Regelung wurde ursprünglich zum Schutz der internationalen Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Branchen eingeführt. Die begünstigten Unternehmen zahlen je nach  Stromverbrauch und –intensität eine geringere EEG-Umlage bzw. sind von der Umlage komplett befreit, wenn sie ihre Stromnachfrage durch eigene Kraftwerke decken. Die Entlastung der Unternehmen wird von Privatkunden sowie vom Handel und Gewerbe getragen.

 

In den aktuellen Koalitionsverhandlungen zur neuen Bundesregierung im November 2013 wurde aus der Arbeitsgruppe Energie verlautbart, dass das erneuere Energien Gesetz (EEG) radikal umgebaut werden soll. Zudem sollen die privilegierten Industrieverbraucher auf diejenigen reduziert werden, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen und die Bemessungsgrenzen sollen angehoben, die garantierte Einspeisevergütung von erneuerbarem Strom soll reduziert und marktwirtschaftlich organisiert werden.

 

Die Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer, umgangssprachlich Mehrwertsteuer, ist eine Verbrauchssteuer. Sie wird auf Waren und Dienstleistungen aufgeschlagen und soll Umsatzgerecht auf alle Bürger verteilt werden. Wer mehr kauft, zahlt auch mehr Umsatzsteuer. Aktuell zum Beispiel 19% auf Strom.

 

Beim Strompreis allerdings wird nicht nur auf die Ware Strom, sondern einfach auf das ganze „Strompreispaket“, einschließlich staatlicher Aufschläge die Umsatzsteuer erhoben. Selbst auf die im Strompreis enthaltene Stromsteuer wird noch einmal Umsatzsteuer entrichtet. 

 

Würde die Bundesregierung nur auf die „echte“ Dienstleistung Stromerzeugung, Vertrieb, Verteilung und Anschluss am Haus Umsatzsteuer verlangen, läge diese bei nur etwa 2,6 Ct/kWh statt bei 4,3 Ct/kWh für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt. So werden die Verbraucher mit ca. 6 % zusätzlichen Strompreisaufschlägen belastet. Das verringert die Akzeptanz der Energiewende noch mehr als die EEG-Umlage an sich, die genau genommen für die direkte Förderung der Erneuerbaren nur etwa 3,2 Ct/kWh beträgt (siehe Grafik Einflüsse auf die EEG-Umlage) und damit geringer ist, als die Umsatzsteuer.

 

Stromhandel: Strompreise so günstig wie nie

Der Preis für Erzeugung, Lieferung und Beschaffung wird in erster Linie an Strombörse gehandelt. Strombörsen sind Großhandelsmärkte für Strom, an denen Energieerzeuger und Energieversorger zeitlich abgegrenzte Strommengen verkaufen und einkaufen. In Deutschland ist das die EEX in Leipzig. Neben Kosten für CO2-Emissionsrechte ist hier auch der Gewinn der Stromversorger enthalten.

 

An der Leipziger Strombörse EEX wird am Terminmarkt, das ist der Markt für längerfristig eingekauften Strom für z.B. 2 Jahre, derzeit mit etwa 3,5 Ct/kWh gehandelt. Addiert man die durchschnittlich angesetzten Netznutzungsentgelte für Endverbraucher von etwa 6,5 Ct/kWh dazu kann heute ein Stromeinkäufer Strom für 10 Ct/kWh ohne Gewinn und Risiko verkaufen. Bei einem durchschnittlichen Endkundenpreis von ca. 13-15 Ct/kWh für Erzeugung und Vertrieb sowie Netznutzung besteht hier nicht mehr sehr viel Spielraum zur reinen Strompreisverhandlung.

 

Darstellung: Börsenstrompreis von November 2012 bis November 2013

Quelle: Marktbericht Strom, BFE, http://www.bfe-institut.com/de/service/energiepreisentwicklung/
Quelle: Marktbericht Strom, BFE, http://www.bfe-institut.com/de/service/energiepreisentwicklung/

Die EEG-Umlage ist nicht die alleinige Treiberin des Strompreises. Zudem in der EEG-Umlage auch andere Faktoren, wie mit 25 % die Industrievergünstigungen, enthalten sind. Die EEG-Umlage ist jedoch nicht mehr Zeit- und marktgerecht. Die Technologien haben sich so weit entwickelt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb auch ohne Einspeisevergütung möglich wäre. Der Strom muss am Markt selbst vermarktet werden, dann ist auch ein möglichst effizienter Einsatz neuer Technologien möglich.

Spanien hat im Jahr 2013 übrigens die Einspeisevergütung komplett abgeschafft.

 

Die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie muss aus volkswirtschaftlicher Sicht weiter unterstützt werden um auch in Zukunft Arbeitsplätze und somit Steuereinnahmen und Einkommen zu gewährleisten. Die Unterstützung sollte jedoch aus der EEG-Umlage herausgenommen und auf das gesamt Volk verteilt werden.

 

Die Umsatzsteuer soll auf den Strompreis und nicht auf alle anderen Zuschläge berechnet werden.

 

Die Stromsteuer, zur Finanzierung der Rentenversicherung und zum Anreiz Strom zu sparen eingeführt, ist obsolet. Sie sollte verursachergerecht, sprich ins Stromnetz eingezahlt werden.

 

Die Netznutzungsentgelte werden derzeit dort berechnet wo das Netz steht. Es kann nicht sein, dass die kosten für den Netzausbau in Niedersachsen auch allein die Niedersachsen bezahlen sollen. Schließlich soll der in Niedersachsen erzeugte Strom auch in Bayern genutzt werden. Die Ausbaukosten sind gerecht auf die Verbraucher zu verteilen.

 

 

2013, © www.energieblog-niedersachsen.de

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